25 Jahre WSG

DER SINN DES LEBENS – FAST WIE IM FILM

Nein, es sollte hier nicht die Rede sein von dem gleichnamigen 1983 erschienenen `Monty Python`-Film. Der Auftrag der Chefredaktion war eindeutig. Wohnstättengenossenschaft Bitterfeld-Wolfen eG, die wird 25, das ist das Thema. Und deren Geschichte ist kein schwarzhumoriger Film, auch keine Real-Satire, auch, wenn die eine oder andere Episode Züge einer solchen trug. Sie handelt von Menschen und ihren Wohnungen und mit denen macht man eigentlich keine Scherze. Könnte man meinen. Und doch scheint einem der `Monty Python`-Film in Teilen fast wie eine Vorlage dieser Geschichte.

In diesem Film bricht in den ersten Szenen eine G.m.b.H. zu großer Fahrt auf, um an den neuen Ufern der Marktwirtschaft mit ungeahnten Transaktionen Gewinne zu erwirtschaften und sie für ihre Anleger einzustreichen. Ganz wie die Glücksritter, die seinerzeit in großer Zahl in den Osten des Landes aufbrachen und Kombinate in Gesellschaften mit (sehr) beschränkter Haftung verwandelten, um sie dann Schritt für Schritt an Investoren zu verticken. Eine solche GmbH entstand auch aus den Werkswohnungen von Chemie, Film und Kohle in Bitterfeld-Wolfen. Aber wohin mit diesen Wohnungen? Man konnte sie weder ein- und woanders wieder entpacken, noch konnte man sie einfach schließen und der Natur überlassen. Es wohnten Menschen drin. Auch die konnte man nicht einfach entlassen.

Also: Die Häuser, denen die drin wohnen!? Ein Spruch, der heute in ganz anderem Sinn wieder Konjunktur hat. Gemeint war aber, kauft! Kauft das, was sich gestern noch des Volkes eigen nannte. Längst abbezahlt, gehörte es nun dem Bund und seiner TLG. Die hatten nichts zu verschenken und hatten ihre Kosten. Allein die Bewohner blieben uneinsichtig. Auch fehlte es für den Kauf am kleinen und am großen Geld. Im Film endet die Ausfahrt der G.m.B.H. in Chaos und Zerstörung. In unserem Fall blieben die Verkäufer auf den Wohnungen wie auf  Ladenhütern sitzen. Da war guter Rat teuer.


Es musste ein Wunder her. Das Wunder einer Geburt. Und siehe da, nach neun Monaten war es soweit und entbunden werden sollte ein Kind namens Wohnstättengenossenschaft.

Und es war wie in jenem Film. Im Kreißsaal standen die Geburtshelfer in großer Zahl und erklärten, so eine Geburt sei nicht billig. Die kostet. Der ganze Aufwand der Verwaltung. Und als die von vielen Zwischenrufen Umstehender verunsicherten Eltern fragten, ob mit dem Kind auch alles in Ordnung sei, entließen sie diese mit den Worten: `Schaut nicht so genau hin, es ist euer Kind. Es wird schon werden.` Und sie gingen von dannen mit ihren Aktenkoffern. Darin der gezahlte hohe Preis für die Entbindung, finanziert auf Pump. Blieben zurück Eltern, die für ihr Kind das Beste wollten, aber das Beste nicht bekommen konnten. Das kleine Kind erkrankte. Zu knapp war das Budget, zu groß die Last der Versorgung des Heranwachsenden. Es fehlte an allen Ecken und Enden. Und In ihrer Not wandten sie sich an die früheren Geburtshelfer. Doch die ließen nur wissen, kein Anschluss unter dieser Nummer. Da waren Verzweiflung und Aufregung groß. Fast hätten sie ihr Kind nach wenigen Jahren aufgeben müssen. Die Geschichte hätte zu Ende sein können.
Und da im Drehbuch kein weiteres Wunder vorgesehen war, sahen die Eltern, dass sie auf sich allein gestellt waren. Sie begannen ihr Heim zu entrümpeln, trennten sich von dem einen oder anderen, verkauften oder schmissen weg. Auch die Last des Kredites ließ sich am Ende reduzieren und strecken. Das erlöste und ersparte Geld investierten sie in ihr Kind, das gesundete, attraktiver wurde, sich in neuem Gewand zeigte und langsam zu einem beachteten Mitglied der Gesellschaft heranwuchs.
Als es dann volljährig war, konnte es endlich eigenständig über sein Schicksal bestimmen und entschied sich doch nicht übermütig zu werden, auch wenn es mit manch Ungewöhnlichem sein Umfeld verunsicherte. Es hatte die Entbehrungen noch nicht vergessen, die seine Eltern in der Zeit auf sich genommen hatten. Es sprach zu diesen: `Ihr sollt es in Zukunft gut und günstig haben. Das soll der Sinn des Lebens sein.`
So wird das Kind nun trotz aller Unkenrufe bei seiner Geburt oder einst an seinem Krankenbett ein Vierteljahrhundert alt und hat seine Zeit, obwohl etwas schmaler als einst erhofft, noch vor sich.
So kann es nun auch in das in das Schlusslied des `Monty Python`-Films einstimmen und singen: `Wann immer das Leben dich runter zieht, und die Dinge hart oder rau scheinen, und dir manche dumm, widerwärtig oder blöd kommen und du spürst, dass du ziemlich genug hast…
Dann, erinnere dich, du stehst auf einem Planeten der sich verändert und sich dreht… denke daran, wenn du dich klein und unsicher fühlst…`